Ich heiße Amir, komme ursprünglich aus dem Iran und habe dort Sportwissenschaft (B.Sc.) sowie Sportpathologie (M.Sc.) studiert.
Nach meiner Ankunft in Deutschland (2020) habe ich mich bewusst für einen neuen Weg entschieden und eine Ausbildung als Pflegefachkraft abgeschlossen. Seitdem arbeite ich eng mit älteren Menschen und erlebe täglich ihre Bedürfnisse, Wünsche und Herausforderungen im Alltag.
Die Geschichte von Amir und Agnes wurde verfilmt. Unter dem Titel „Lieblingsmenschen – die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir“ startet der Kinofilm am 19. November 2026 bundesweit in den deutschen Kinos.
„Lieblingsmenschen – die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir“ – ab 19. November 2026 im Kino.
Vor einigen Jahren begegnete ich Agnes. Eigentlich suchte ich damals einfach nur eine Wohnung. Agnes vermietete mir ein Zimmer – und daraus entstand etwas, womit wir beide niemals gerechnet hätten. Wir lebten fast drei Jahre gemeinsam unter einem Dach, lachten zusammen, unterstützten uns gegenseitig und wurden zu einem wichtigen Teil im Leben des anderen.
Ich habe sie im Alter von 101 Jahren kennengelernt. Sie lebte allein, war oft einsam und benötigte Unterstützung im Alltag – wollte jedoch auf keinen Fall in ein Pflegeheim ziehen. Zur gleichen Zeit war ich selbst auf der Suche nach einer Wohnung. Aus dieser besonderen Situation entstand eine gemeinsame Entscheidung: Ich ziehe bei Agnes ein, und wir wohnen zusammen.
Was als praktische Lösung begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Beziehung. In dieser Zeit habe ich etwas sehr Wertvolles erlebt: Ich habe gesehen, wie ältere Menschen aufblühen können, wenn sie nicht isoliert sind, sondern mitten im Leben bleiben und echte Gemeinschaft erleben. Und ich habe erlebt, wie sehr sich junge und ältere Menschen gegenseitig bereichern können.
Genau diese Erfahrung möchte ich heute auch anderen Menschen ermöglichen. Denn gleichzeitig erleben wir in Deutschland nicht nur Einsamkeit im Alter, sondern auch großen Wohnungsmangel – besonders für junge Menschen. Daraus entstand meine Vision: Häuser zu schaffen, in denen Menschen unterschiedlicher Generationen gemeinsam unter einem Dach leben – nicht anonym nebeneinander, sondern miteinander und füreinander.
Ein Zuhause ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Ein Zuhause entsteht dort, wo Menschen sich gegenseitig guttun.
Ich habe Agnes nicht "gepflegt". Wir haben einander etwas gegeben, das keine Institution ersetzen kann: Zeit, Aufmerksamkeit, ein offenes Ohr, das Gefühl, gebraucht und gesehen zu werden. Ich habe ihr geholfen, wo es nötig war – im Alltag, mit dem Handy, beim Einkaufen. Und sie hat mir etwas gegeben, das ich damals dringend brauchte: Ruhe, Geborgenheit, das Gefühl, angekommen zu sein, in einem Land, das mir noch fremd war. Geben und Nehmen, jeden Tag, auf beiden Seiten – keiner von uns war nur Helfer oder nur Bedürftige.
Genau das möchte ich mit dem Generationenhaus weitergeben. Einsamkeit im Alter lässt sich nicht mit einem Termin beim Pflegedienst lösen – sie lässt sich nur lösen, wenn Menschen wirklich füreinander da sind. Und junge Menschen verlieren dabei nichts, sie gewinnen: Lebenserfahrung, Ruhe, jemanden, der zuhört, ohne zu urteilen – Dinge, die man in keiner WG mit Gleichaltrigen bekommt.
Und es geht um mehr als nur uns beide. Studien zeigen: Einsamkeit im Alter macht krank und treibt die Gesundheitskosten in die Höhe – für den Einzelnen genauso wie für unser gesamtes Gesundheitssystem. Wenn ältere Menschen in echter Gemeinschaft statt allein leben, kann das Krankheiten vorbeugen, pflegende Angehörige entlasten, die sonst oft an ihre eigenen Grenzen kommen, und teure Pflege- und Krankenhauskosten verringern. Ein Generationenhaus ist deshalb nicht nur eine schöne Idee – es kann für alle Beteiligten, für Familien und letztlich für unsere ganze Gesellschaft ein echter Gewinn sein.
Gerade schreibe ich an einem Buch über mein Leben – wie ich 2020 nach Deutschland kam, auf der Suche nach einem neuen Anfang, und wie ich Agnes kennengelernt habe, als sie 101 Jahre alt war.
Es erzählt, was wir gemeinsam erlebt haben und wie Agnes in unserer gemeinsamen Zeit noch einmal richtig aufgeblüht ist – und wie sehr sie dabei auch mein Leben verändert hat. Und es erzählt weiter, auch über die Zeit, als der Weg für Agnes irgendwann in ein Pflegeheim führte: dass Nähe und Verbundenheit weitergehen können, ganz gleich wo man lebt.
Unsere Geschichte wurde bereits u. a. von taz, Berliner Zeitung und ARTE erzählt – jetzt entsteht daraus ein Buch.
Kinostart, neue Kapitel aus dem Buch, Updates zum Generationenhaus: Trag dich hier ein, dann schreiben wir dir, wenn es wirklich etwas Neues gibt – selten, aber persönlich.
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